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Warum unsichtbar ?

vor einiger Zeit las ich einen interessanten Artikel: „Ältere Frauen sind unsichtbar“

Es ging in erster Linie darum, das sich ältere Frauen, so ab ca.50 Jahren, selbst gern unsichtbar machen und dadurch auch in unserer Gesellschaft nicht mehr wahr genommen werden.
Der „50igste“ scheint eine Schallgrenze zu sein, die ich auch schon lange überschritten habe 😉 .

Da gibt es ein „Davor“ und ein „Danach“, festgemacht an der magischen Zahl 50. Im „Davor“ muss alles erreicht sein, was das Leben zu bieten hat, alle Ziele erreicht, alle Kinder geboren, Lust und Liebe gelebt werden.
Denn im „Danach“ geht es beruflich und privat bergab, die Attraktivität geht den Weg alles Irdischen, die sexuelle Anziehungskraft verloren und wer jetzt alleine ist, der bleibt es vermutlich auch.
Kurzum: Frauen mit 50 plus werden unsichtbar. Da bekommt der Satz „schön, dich zu sehen!“ doch gleich eine ganz andere, jung erhaltende Bedeutung!

Aber woran liegt das? Gibt es ein Gesetz, das uns vorschreibt, abends stets zu Hause zu bleiben. Gibt es eine Pille, die wir täglich nehmen, und die uns unsichtbar macht?
Ältere Frauen, obwohl ihr Anteil in der Bevölkerung immer größer wird, kommen in den medien selten vor.
Und wenn doch, dann bloß als Klischees: die „flotte“ Großmutter mit der Rheumasalbe, oder skurrile, unbeholfene alte Frauen. Ältere Frauen haben „leise“ zu sein. Ältere Frauen haben keine Forderungen zu stellen.

Wer kennt nicht die ältere Frau, der es peinlich ist, an der Supermarktkasse lange zu brauchen um die Münzen zu sortieren und die dann um Verzeihung bittend, verschämt in die Runde blickt…
hach, wenn ich dann Unruhe bemerke, mach ich neuerdings extra langsam und verschämt kucke ich nicht in die Runde – eher frech und amüsiert !

Auch greifen ältere Frauen auch gern zu Kleidung, die sie „unauffällig“ und „gediegen“ macht. Die Auswahl der „unauffälligen“ Farben und langweiligen Schnitten bei Mode jenseits von Grösse 40 ist da ja unerschöpflich! Geht mal in ein Spezialgeschäft für „Damenmoden“ : wenn ihr das überlebt und dann wieder raus kommt, fühlt ihr euch gleich um 20 Jahre älter !
Übrigens fällt in diese Kategorie auch der Blouson in Rentnerbeige, der vom männlichen Begleiter dann gern getragen wird 😉

Aber warum das Ganze?
Warum die „flotte“ Omi-Frisur und die „gesunden“ Schuhe? Warum langweilig sein, wenn frau es doch gar nicht ist?
Warum so tun, als wäre man jünger, warum verleugnen was man ist und was man will ?

Nein, ich will das alles nicht! Und ich will auch diese Klischees nicht bedienen!
Ich will mich nicht „altersgemäß“ kleiden und Tauben fütternd auf Bänken sitzen.
Ich will nicht „leise und unsichtbar“ sein! Ich gehe nicht aus dem Weg, nur um Konfrontation zu vermeiden – ich verstecke mich nicht !

… und deshalb trage ich zerrissene Jeans und Lederjacken, Chucks und kurze rasierte Haare, wenn ich lache, lache ich laut und wenn ich weine, weine ich eben….
und manchmal fahre ich mit offenen Autoscheiben über Land und durch Ortschaften:
mit Joe Cocker oder Springsteen in affengeiler Lautstärke!
Was „Junge“ mit Techno können, kann ich „Alte“ doch schon lange!

in diesem Sinne, macht euch SICHTBAR Mädels – ihr habt es verdient wahrgenommen zu werden!
eure ♥ Anne

10 Kommentare

  1. Friedrich-Karl sagt

    Liebe Anne,
    ich finde nicht, daß Frauen ab 50 sich unsichtbar machen. Die Frauen, die Du beschreibst sahen in jüngeren Jahren auch nicht besser aus. Dagegen sehen diejenigen (auch die Männer), die in jüngeren Jahren Wert auf gutes Äußeres legten, auch heute noch mit 60+ und mehr, gut und attraktiv aus.

    Wer heute Rentnerbeige trägt, trug früher Jeansjacke – da kannst Du nicht mehr erwarten……….

    Zum anderen kommt hinzu, daß viele Ältere keine ausreichende Rente oder Einkommen beziehen, und sich daher auch nicht besser kleiden können. Darauf muß man Rücksicht nehmen.
    Viele Grüße
    F.-K.

    • annelie sagt

      wie sagte schon Coco Chanel: Stil ist keine Frage des Geldes 😉

  2. Toll geschrieben. Ich mach und trag auch das, was mir gefällt, egal ob mal schick oder lässig. Gewisse Sachen trag ich aus Rücksicht auf die Figur nicht mehr und generell war es mit Größe 38 einfacher und im Büro kann ich auch nicht mit lila Haaren auftauchen, wäre aber eh nicht mein Fall.Aber es geht ja auch nicht nur um Kleidung, sondern auch um Auftreten und Haltung und im Freundeskreis sind bei mir auch alle Altersklassen vertreten. Schönen Sonntag, es scheint endlich die Sonne 😘

  3. Aber Hallo, liebe Anne,
    da hast Du mir ja direkt aus der Seele gesprochen.
    Ich habe nie ein Problem damit gehabt, mich so zu kleiden, wie ich mich wohlfühle, mich so zu geben, wie ich bin. Ich kann gar nicht anders. Ich bin nicht „altersgemäß“ leise, ich trage meine Haare wie es mir gefällt, für mich steht bei alledem an erster Stelle mein persönlicher Wohlfühlfaktor. Stimmt der, bin ich richtig! 😉
    Bleiben wir doch so, wie wir sind, gell!
    Lieben Gruß
    moni

  4. Ich finde beides nicht so toll, sich unsichtbar machen, aber auch wenn Frauen genau das Gegenteil machen und sich unbedingt jünger und sichtbar machen und sich ihres Alters wegen schämen und dann vielleicht auch noch alles auf- oder wegspritzen lassen, nur damit sie jünger aussehen. Trotzdem ist es jedem selbst überlassen wie er sich kleidet und sich gibt und meine Meinung ist da überhaupt nicht maßgeblich. Jeder soll so leben wie es ihm passt, so lange er mich damit nicht belästigt oder mir seine Meinung aufdrücken will, ist alles gut. Und außerdem kommt es bei mir immer noch auf den Charakter der Person an und was auch nicht ganz unwichtig ist, was er in der Birne hat. In diesem Sinne grüßt die nicht zu übersehende

    Weserkrabbe ganz lieb Euch beide.

  5. Ingrid sagt

    Auch ich finde, dass es niemanden etwas angeht, wie ich „auftrete“ *lach*
    Hauptsache mir gefällt es und ich fühle mich wohl, trotz so mancher Zipperlein!

    Das Bild ist übrigens Hammer 🙂

    Liebe Donnerstagsgrüße,
    Ingrid

  6. Karen sagt

    I feel invisible most of the time…how odd that one day I looked in the mirror and saw a different person on the outside than I felt inside. And the first time my daughter said, ‚lThat’s too young for you.“ I began to look at myself more closely and now I feel old. Older than I should. I agree, live how you want and dress how you wan. Life is too short to feel old even before your time.

  7. Du sprichst mir aus der Seele, grade vor 2 Wochen 52 geworden und laufe mit Bikerboots, zerrissenen Jeans und Pullis, die einen Ausschnitt haben, der bis zum Bauchnabel geht, rum.
    Höre laute Musik. Gehe auf Konzerte (wieder) und bin schon immer laut gewesen.
    Ich fange jetzt erst an, mich wohl zu fühlen.
    Kinder haben wir keine, also gibt es kein davor und danach.
    Viel macht es aber auch aus, das unser Freundeskreis zu 80 % aus Menschen besteht, die weitaus jünger sind (die jüngste ist 36, die älteste 58). Und meist ist es so, das sie mit mir nicht mithalten können.
    Tja, leben und lernen 😉
    In diesem Sinne
    Birgit

  8. Brauch ich nicht…(mich sichtbar machen 😉), bin ich schon! Ich geb‘ nen Schiet darum, wie Frau auszusehen hat; Hauptsache ich fühle mich wohl. Wie andere das finden geht mir am Poppes vorbei. Und das Provozieren meckernder Zeitgenossen macht mir auch richtig Laune. Mach ich bis zum Erbrechen 🤣. Also, was lernen wir daraus? Ü50 = bunt und frech ! LG und weiter so – Elke

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