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Überraschend ?

natürlich gab es in meinem Leben Überraschungen – positive aber leider auch einige negative.
Und es gab die üblichen Dinge wie unerwartete Geschenke und unerwarteter Besuch – aber ich will hier heute kurz (od. etwas länger 😉 )erzählen, das ich die grösste Überraschung sozusagen „mit mir selbst“ erlebt habe.

Wenn mich Menschen das erste Mal sehen, erwecke ich oft den Eindruck eine starke, in sich ruhende und selbstbewusste Frau zu sein.
Das stimmte auch bis 2004, verlor sich dann aber immer mehr nachdem ich aufgehört hatte zu arbeiten und ich zog mich immer häufiger in meinen „Elfenbeinturm“ vor dem Rechner zurück… eine Depression hatte mich gepackt.
ich ging kaum noch hinaus und unter vielen Menschen fühlte ich mich nicht mehr so recht wohl. Hinzu kam eine regelrechte Angst vor allem Neuen und Unbekanntem.

Nur eines war geblieben: meine Sehnsucht nach Irland, der Heimat meines Herzens.
Wie gern wäre ich wieder dort, wie gern würde ich alles wiedersehen, was ich jahrelang auf den Reisen mit meinem Lebensgefährten gesehen hatte….
aber wie sollte ich das anstellen in dieser seelischen Verfassung?
So blieb es ein entfernter Traum – ein Wunschdenken….

Bis…
ja, bis im Winter 2004 dieses Wunschdenken zum Thema in einem der stundenlangen Telefonate mit meiner Freundin wurde.
Es wurde monatelang hin u.- her überlegt, geplant, verworfen und wieder geplant.
Am Telefon war ich stark aber kaum hatte ich den Hörer aufgelegt kam wieder die Angst vor dem Unbekannten und ich kniff wieder vor dem letzten Schritt.
War ich doch noch nie vorher ganz allein verreist und nun sollte es gleich nach Irland gehen…. mit Flug, Linksverkehr und ganz allein auf mich gestellt?

ich weiß heute nicht mehr, was eigentlich passiert ist oder was der Auslöser war, aber eines Tages habe ich einfach Flug, Unterkunft und Leihwagen gebucht!
Einfach so…. am Rechner und ohne gross zu überlegen.
Nun musste ich – ob ich wollte oder nicht!
Zurücktreten oder die Reise einfach nicht antreten? Nein, dazu war ich zu geizig 😉 und auch zu stolz….
hätte ich doch aller Welt mein „Hasenherz“ gezeigt…

und so startete ich am 7.6.2006 zum ersten Mal in meinem Leben allein und mit vielen Ängsten behaftet in „mein persönliches, grosses Abenteuer“!

Was soll ich sagen, viele von euch haben es hier im blog und auf meiner webseite „tea&toast“ miterlebt: es war ein Traum!
Alles klappte ohne Probleme, ich genoss jeden Moment und wurde von Tag zu Tag mutiger, getrieben von dem Gedanken: du willst alles sehen, erleben, bewahren…

Mein eigenes „Ich“ hatte mich überrascht : in mir steckte mehr als erwartet – ich war wieder ich: mutig, stark und meine Ängste konnten besiegt werden!
Dieser ersten Alleinreise sollten noch viele folgen.
Alle waren wunderschön… aber diese erste Reise wird immer im Gedächtnis bleiben: als die „Reise auf der mich mein eigenes ich überraschte“!

carriagehouse( “ mein“  Cottage – the Carriage House)

Und nun steht mir wieder so eine grosse Reise bevor – ab heute sind es noch 16 Tage und es geht auf nach England – und diesmal sogar mit 2 Hunden!
Wieder wurde alles spontan und kurz entschlossen während eines Gesprächs entschieden,  ohne groß zu Überlegen abgemacht und gebucht .
Und wieder grummelt es in meinem Bauch genau wie damals… werde ich das alles schaffen, so allein und auf mich gestellt?
Schließlich bin ich auch älter geworden und vielleicht nicht mehr so unbekümmert… ?
Wie werden die vielen Stunden (9Std) auf der Fähre sein? Werden die mitreisenden Hunde, die ja allein in einem „Hunderaum“ sind, alles gut überstehen?
Und ich, werde ich alles gut überstehen? Was ist bei Sturm – werde ich seekrank werden?
Ja, wenn ich mit Freunden darüber rede od. mit den Menschen die ich dort treffen werde chatte, ja, dann freue ich mich… besonders wenn ich lese, wie sehr sie sich alle auf uns freuen.
Aber wenn ich dann wieder hier mit mir allein bin, komme ich wieder ins Grübeln. War es die richtige Entscheidung?

Ach was, ich will es jetzt einfach glauben : es wird wieder alles wunderbar werden und hinterher werde ich wieder sagen: „Was, deswegen hast du dich so verrückt gemacht? “
Die nächsten 16 Tage werden wieder eine Achterbahnfahrt vom Feinsten werden 😉 – aber das kennt ihr ja schon von mir !
Und vielleicht überrasche ich mich ja wieder selbst …

puh, das ist wieder so eine lange Geschichte geworden und ich hoffe, ich habe euch nicht zu sehr gelangweilt.

4 Kommentare

  1. annelie

    Danke, liebe Barbara für diesen mutmachenden Kommentar!
    Das komische ist, wenn ich erst einmal an meinem Reiseziel bin, ist alles gut 😉
    dann bin ich auch gern dort und kann es geniessen… es ist einfach immer nur vorher so seltsam in mir drin…
    da muss ich mir immer wieder sagen: es wird schon, nur Mut!
    Liebe Grüße an dich und deine beiden tollen Männer!

  2. Barbara

    Wow Annelie, das ist eine wunderbare Geschichte und soviel Offenheit.
    Ich selbst bin seit meinem 11. Lebensjahr immer schon viel unterwegs, hatte nie Angst vor dem Neuen und Unbekannten.
    War mit 15 Interrail quer durch Europa machen, das war 1985. Ich könnte Tausende von Geschichten von meinen Reisen erzählen und war auch sehr glücklich, dass ich irgendwann einen Job fand, der mich fast die Hälfte des Jahres unterweg sein ließ. Mein Miles & More Konto war immer prall gefüllt und egal wo ich hinkam, fand es toll wieder neuen Herausforderungen gegenüber zu stehen und neue Geschichten zu erzählen.
    Aber als ich meinen Mann 1989 kennenlernte, lernte ich das erste Mal einen Menschen kennen, der das totale Gegenteil von mir war und ich konnte lange nicht verstehen, wie man nur so Ortsgebunden sein kann. Heute weiß ich natürlich viel besser damit umzugehen und habe verstanden, was eine Depression, was Ängste, was Veränderung für einen Menschen bedeuten können.
    Dennoch ist jede Reise und mag sie noch so klein sein, für meinen Mann immer ein Verlassen des Gewohnten und somit immer ein großer Gefühlsaufbruch. Aber wir haben es auch geschafft einige Male in Canada gewesen zu sein, wir haben ganz schöne Reisen gemacht, er erzählt auch gerne davon, dennoch ist es auch für mich jedesmal zuvor, mittendrin und danach ein großer Kraftakt, seine Zweifel, Ängste, seine vielen vielen Fragen auszubalancieren.
    Seitdem wir übrigens Eddy haben, reise ich auch nicht mehr gerne. Jeder Tag ohne ihn ist für mich Sehnsucht. So ändert sich das.
    Ich musste Dir das jetzt einfach schreiben, weil ich Deine Gefühlswelt in der Du Dich aktuell befindest höchstwahrscheinlich aus meinen Erfahrungen mit meinem tollen selbstbewußten Mann (nach Außen) unglaublich gut nachvollziehen kann und einfach weil es mir am Herzen lag einmal darüber zu schreiben.
    Ich freue mich ungemein für Dich, dass Du diese Reise antrittst und Du wirst in Park Hall unbeschreiblich schöne Tage erleben, ich bin mir ganz sicher, dass Trish und Dave und natürlich Jolanda & Marco eine unvergesslich schöne Zeit mir Euch allen erleben werden.
    Fühle Dich virtuell gedrückt. Sorry für die lange Nachricht. Lieben Gruß Barbara

  3. annelie

    Thank you so much Peggianne for this heartwarming comment! Will give strenght to me and I will keep your words in mind!
    I’ll try to post a lot so you will be informed about us and our trip!
    I’ve got anti-nausea medication from my vet and she told me, I can use it for me too 😉 if necessary …
    Lots of love , xxx – Anne

  4. Dear Annelie…I am so excited for you. ( I would write auf Deutsch aber mein Deutsch ist sehr schlecht!). I have traveled many times from Canada to Germany on my own and I understand Dein Angst completely! But, your sub-conscious is telling you that you can do it!!! That’s why you booked the trip in the first place. And, the anticipation of the fun you will have when you get there…well, all your worry will be worth it.

    Mrs. B and Mr. A will be good little travelers too! My husband Bill and I drive from London,Canada to Phoenix, Arizona in one long trip which takes us about 37 hours in total and Thomas and Teegan (and now our new girl Joee) are the perfect little passengers! The key is to keep them on their usual schedule of sleep, eat, and potty breaks and you’ll have not issues. (Be sure to keep some anti-nausea medication handy too…just in case.)

    I will be following your posts and looking forward to hearing all about your wonderful experiences with so many like-minded Norfolk folks and envying you the opportunity!

    Gute Reise!!!

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