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Entschleunigung

dieses Wort kam mir neulich einfach so „in die Quere“ …
und tagelang ging es mir bei Hundespaziergängen oder anderen Gelegenheiten einfach nicht mehr aus dem Kopf.
ich machte mir da so meine Gedanken… ja, ab und an mache ich das!

Wenn man Freunde fragt: was sind deine Wünsche zum neuen (Lebens) Jahr, bekommt man oft Antworten wie Ruhe, mehr Zeit für mich, weniger Stress, Gesundheit und Zufriedenheit.
Entschleunigung bezeichnet das Gegenteil von „Beschleunigung“. Wir alle merken, dass unser Leben immer schneller geworden ist – Kommunikation via Handy und E-Mail machen uns überall erreichbar, Fernsehen und Internet bringen die neuesten Nachrichten direkt vor unsere Augen und auch in den Unternehmen müssen Mitarbeiter oft Arbeiten übernehmen von erkrankten oder gar entlassenen Kolleg(inn)en –  und leider hat es sich sogar teilweise eingebürgert, das Mitarbeiter nach Feierabend oder im Urlaub angerufen werden, auch wenn sie keinen „Bereitschaftsjob“ haben. Also heißt es wieder schnell zur Stelle sein, um die hochgesteckten Ziele des Chefs zu erreichen.

Aber das ist nicht nur im Berufsleben so…
nein, auch im Privatleben wird von einem einfach erwartet, das man ständig sein Handy dabei hat um erreichbar zu sein oder seine eingehenden mails auch sofort beantwortet.
Falls man das nicht „gehorsam“ tut, kann es einem passieren, das man dann auch noch angemeckert wird weil man nicht erreichbar war oder bekommt Nachfragen wie: ich hab dir gerade eine mail geschrieben – hast du die bekommen? ich warte…

Auch der Urlaub, der ja eigentlich der Erholung dienen soll, wird zum Aktivitätenparcour…
da wird der Tag mit „Aktivurlaub“ verbracht : Bergsteigen, Tennisspielen, endlosen Wanderungen, Animationsprogramm mit Strandgymnastik oder Beachvolleyball mit Gleichgesinnten.
Und das alles von 0 auf 100 – das ganze Jahr über hatte man ja schließlich keine Zeit dafür!
Abends müssen dann noch die eingegangenen mails gecheckt und beantwortet werden – nicht zu vergessen : Fotos machen, Fotos machen und nochmal Fotos machen – schließlich sollen ja alle mitkriegen, wie toll man es getroffen hat und wie gut man sich fühlt!  Und das kann man ja dann auch noch schnell in den einschlägigen Netzwerken posten…  😉
und schließlich ist der Urlaub ja auch schnell vorbei und es geht mit dem normalen Hamsterrad weiter!
Welch Wahnsinn!
Wer wundert sich da noch, das Burnout und psychische Erkrankungen heute auf Platz 1 der Liste der häufigsten Krankmeldungen in Firmen steht und die Rückenschmerzen schon längst überholt haben?
Wir lassen uns da einen Lebensrhythmus diktieren, der nicht der Unserige ist – im Beruf aber leider auch im Privatleben.

Ich habe für mich beschlossen, mich diesem „Diktat“ nicht mehr zu unterwerfen.
Gut, Berufsleben findet ja ohnehin nicht mehr statt,  aber  auch im privaten Leben werde ich jetzt einiges ändern.
Den Satz: „nur mal eben noch schnell“ habe ich auf Weiteres ganz hinten in die Schublade des Vergessens gepackt.
Seit Anfang des Jahres findet „Internet“ nur noch stundenweise Abends statt – wenn es Vormittags mal sein muss, dann wird eben „Abends“ gestrichen!
Ich kenne Menschen, bei denen ist der Rechner od. das pad 24 Stunden in Betrieb. War bei mir auch so – geb ich zu!
Damit ist nun Schluß – mein Leben bestimme ich – nicht das web.
Und auch bloggen muss ich nicht täglich – wenn mir nichts einfällt, fällt mir nichts ein und wen stört es schon, wenn Beiträge einen oder auch mal einige Tage später kommen. ich bin kein Nachrichtendienst!

An das Telefon oder Handy gehe ich nur noch, wenn es mir gerade passt – weder beim Essen, noch beim Lesen und auch nicht wenn ich einen Krimi sehen will!
Auch nicht beim Hundespaziergang, in Restaurants oder Cafès  und schon gar nicht im Supermarkt !
Seltsam – über „Abhöraffären“ regt man sich auf – aber die komplette Umwelt an seinen „ach so wichtigen“ privaten oder dienstlichen Gesprächen teilhaben lassen ist ok….
Mich interessieren diese Gespräche nicht – ich fühle mich langsam nur noch durch sie belästigt!

Ich sehe wer anruft – also habe ich die Wahl, den Anruf anzunehmen oder ich rufe zurück wenn ich Lust und Muße habe zu quatschen. Und wenn es etwas sehr Wichtiges ist… komisch, früher sind die Menschen auch nicht reihenweise gestorben wenn sie nicht mit den „modernen Zeitfressern“ kommuniziert haben. Und mal ganz ehrlich : wieviele der Anrufe und mails sind schon „sehr wichtig“ ?

Und es funktioniert !
Endlich schaffe ich es wieder ein Buch von Anfang bis Ende durchzulesen – oder auch zwei oder auch drei .
ich sitze manchmal nur in meinem Lieblingssessel, trinke bewusst meinen Tee oder Cappu  und kucke Löcher in die Luft und lasse meine Gedanken wandern…
höre endlich wieder Radio – ja, so richtig mit zuhören – und geniesse Konzerte auf cd .
Reg mich an Supermarktkassen nicht mehr über die ältere Dame auf, die es nach nach gefühlten 10 Minuten geschafft hat,  ihre 4,30 €  in 10-Cent-Stücken, für ihr Katzenfutter zu bezahlen, grinse den jungdynamischen, mit den Fingern trommelnden jungen Mann im dunklen Anzug einfach nur an, packe meine Einkäufe ein und bezahle danach, nicht ohne meistens noch ein paar nette Worte für die Kassiererin zu haben.
ich habe das Gefühl, meine persönliche Entschleunigung tut mir richtig gut – warum versucht ihr es nicht auch einmal ?
Und wenn ihr es schon im Job nicht könnt, dann versucht es doch einfach mal in eurem Privatleben.
Schreibt euch eure „Zeitfresser“ auf, schafft euch einen „Zeitplatz“ an dem ihr auch einfach nur so „da sitzt“
(schon  Loriot  wusste wie es geht 😉 )

In diesem Sinne, entschleunigt euch – ihr werdet sicher Spaß daran haben und es wird auch euch gut tun!

eure
anne

12 Kommentare

  1. Liebe Anne. Bin zufällig auf Deinen Blog gestossen und muss sagen – Du hast recht. Viel zu viel Zeit verbringt man mit Dingen, die einem Zeit rauben. Zeitfresser nenne ich die – und nein, sie müssen nicht sein.

    Entschleunigt habe ich schon lange. PC gibts nur noch am WE. Unter der Woche ist mal das Handy zur Hand oder das Tablet – aber nur, wenn ich es mag. Und wenn nicht, bleibt es aus.

    Ich wünsche Dir eine schöne Woche und komme gerne wieder.
    LG Susi

  2. Oh ja, das stimmt … wahrscheinlich auch, weil ich wußte, dass DER Anruf kommen wird!
    Und die ersten Tage danach, habe ich auch immer noch panisch aufs Handy geschaut, wenn es in der Tasche verschwunden war.

    JETZT trainiere ich das IGNORIEREN, hihihihi, es klappt schon so gut, dass Männe und ich auf der Couch sitzen, es klingelt, wir schauen uns an … und keiner steht auf :-))))))

    LG
    Andrea

  3. oh wie gut ich DAS kenne, und ich arbeite auch schon fleissig daran, auch wenn es mir ehrlich gesagt nicht immer gelingt, aber immer besser!Facebook nutze ich schon mal gar nicht mehr, nur noch Instagram und meinen Blog.
    ich liebe zwar das bloggen, aber noch viel mehr liebe ich meine „ME-Time“ und die versuche ich mir nun auch regelmässig zu nehmen. Bis auf die Sache mit dem Telefon, da muss ich schon alleine für meine Mutter erreichbar sein und zucke nach viele nicht so schönen Vorfällen auch jedesmal zusammen, vor allem am Abend. Aber gut, so ist es und fertig.
    Auch mein Mann versucht sich gerade in Entschleunigung und hat sogar wieder etwas Zeit für sein Hobby,hurra! Ein Fortschritt :=)
    Danke für diesen Post, liebe Grüsse, Nina

  4. Du machst das genau richtig! Man sollte sich auf keinen Fall selbst stressen oder sich von jemand anderem stressen lassen! Ich versuche auch so zu leben. Auf der Arbeit ist es oft schwierig, sich da „durchzusetzen“, aber bisher klappt es meistens eigentlich auch da ganz gut. Auch nach Feierabend versuche ich das zu machen, was mir gut tut und worauf ich Lust habe. Zwar hat man immer Aufgaben, die man erledigen muß, aber da kann man auch versuchen, sich das einzuteilen.

  5. Entschleunigung habe ich mir bereits 1989 auf die Fahne geschrieben, damals im bzw. nach unserem Urlaub in der Türkei. Da lernt man, dass nicht immer alles gleich und sofort und perfekt gemacht werden muss.
    Mein Handy habe ich von meinem Arbeitgeber und demensprechend bin ich quasi rund um die Uhr erreichbar für die Kapitäne, die auf den Weltmeeren unterwegs sind. Zum Glück hält sich das wirklich in Grenzen (3 x auf holzklopf). Es gibt Situationen, da rechne ich damit, dass ein Anruf kommen könnte. Aber ich will in den Keller oder mal in der Wanne entspannen. Da überlege ich schon, ob ich das Handy mitnehme. Nein, mach ich nicht. Wenn ich nicht erreichbar bin, ist es ein anderer Kollege.

    Das Telefon ist bei uns im allgemeinen sehr ruhig. Weder auf dem Festnetz noch auf dem Handy, welches wir auch privat nutzen dürfen, werden bei uns viele Gespräche abgewickelt.

    Seit wir die Kindles haben, schalten wir spätestens abends um 21:00 Uhr den Rechner aus und lesen noch ein Stündchen vor dem Schlafengehen.

    Beim der täglichen Autofahrt ins Büro oder nach Hause bin ich total entschleunigt. Fahrspurwechsel, nur weil es nebenan gerade mal ein wenig schneller vorangeht? Mit mir nicht. An der nächsten roten Ampel würden mich eh alle wieder einholen, die ich überholt habe. Ich komme lieber entspannt im Büro an und natürlich auch heil und gesund wieder nach Hause, als dass ich mich irgendwelchem Stress aussetze.

  6. Anne sagt

    mir gings auch so, liebe Andrea…
    vor dem Tod meiner Mutter war das Telefonklingeln irgendwie schon immer „angstbesetzt“ weil meistens etwas unerfreuliches passiert war…
    auch die erste Zeit danach bin ich immer noch zusammengeschreckt wenn es klingelte.
    LG Anne

  7. Lach – ja liebe Anne – das ist mir auch schon passiert, dass ich Leutchen telefonisch auf dem Lokus angetroffen habe *gg* Das ist nicht die feine englische Art 😉
    Entschleunigung – schöne Gedanken die Du dir dazu gemacht hast und alles so richtig und stimmig.
    Es gibt als berufstätige Mama so manche Zeitfenster da ist Entschleunigung ein absolutes Fremdwort – da ist einfach Hektik angesagt.
    Aber darüber hinaus versuche ich auch immer mehr mich von dieser Beschleunigung nicht einfangen zu lassen.
    Auch der Gedanke mit dem Nichtaufregen gefällt mir gut. Es sind meine Nerven die da leiden. Am besten die Augen verdrehen, sich seinen Teil denken und Zähne zeigen indem man lächelt *gg* Situationen zum Schmunzeln nutzen, anstatt laut zu schimpfen.

    Gestern gab es eine Situation dass ich die Polizei anrufen musste, weil wir einen verletzten Fuchs im Garten hatten. Der Jäger sollte informiert werden, nur musste ich leider weg zum Arzttermin und hab dem Polizisten deshalb genau erklärt WO der Fuchs liegt.
    „Ja haben sie denn kein Handy wo der Jäger sie erreichen kann? – Lach – doch ich hab ein Handy – aber da nutze ich eigentlich nur den Wecker *gg* Dabei hab ich das eigentlich so gut wie selten und deshalb kam es mir auch nicht in den Sinn meine Handynummer zu hinterlassen.
    Also ich muss nicht überall erreichbar sein 😉 Und der Jäger hat den Fuchs auch ohne mein Handy gefunden 😉
    Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg und Spaß bei deiner persönlichen Entschleunigung und Du hast mir richtig Freude mit deinem Beitrag gemacht!
    Liebe Grüße
    Kerstin

  8. Wie wahr, Anne! Genau so halte ich es schon seit über 10 Jahren und habe es leider auf die harte Tour lernen müssen. Für mich bedeutet das Klingeln des Telefons/der Haustürklingel eine Option – will ich das Gespräch/den Besuch jetzt in diesem Moment, oder nicht? Erzähl das mal einem „Gehetzten“ und achte auf die Blicke, man könnte sich schlapp lachen. Instagram, meine Blogs, Pinterest, Tumblr, das Internet generell mag ich wirklich sehr gerne, aber wenn wir etwas unternehmen, dann genieße ich es i.d.R. ausschließlich und manchmal denke ich sogar an Fotos. Aber meistens fällt mir das Fotografieren erst wieder ein, wenn wir zu Hause sind. Es geht doch schließlich ums Leben, nicht um Zahlen, denn in unseren Adern fließt immer noch Blut, keine Bits und Bytes und 0101011110. 😉
    In diesem Sinne, genieße den Tag und lass Dich nicht hetzen.

    Tina 🙂

  9. DU HAST SO RECHT!
    Seit dem Tod meiner Mutter, verfahre ich im privaten genauso!
    Jahrelang war ich auf das Handy fixiert, ja musste es wegen der Krankheit auch. Aber jetzt?
    NÖ!!!
    Und ich fange an, es zu genießen …

    LG
    Andrea

  10. Du hast mir mal wieder aus dem ❤️-en gesprochen. Ich werde morgen kommentarmässig noch mal nachlegen, da es mir jetzt zu spät ist. Ich wil BUBU machen. Bis dahin alles Liebe und bis dann – Elke (meine Fußspitze zuckt noch im Happytakt…)

  11. Anne sagt

    Danke Ingrid !
    Handy mit auf dem Klo ?? ich lach mich grad kaputt! Nein, das erspare ich meinen Anrufern wirklich gern !
    mein Gott, was nehmen sich die Leute bloß wichtig!
    Viele liebe Grüsse an dich
    von mir und den Norfies.

  12. Ingrid sagt

    Da sprichst du mir wirklich auch aus dem Herzen, liebe Annelie.
    Ich schalte meinen Laptop auch erst gegen Abend ein, das Handy „vergesse“ ich oft zu Hause und es fehlt mir nicht. Früher hatten wir ja auch keines. Man muss wirklich nicht rund um die Uhr erreichbar sein. Ich kenne Leute, die nehmen ihr Handy sogar auf die Toilette mit!
    Und dass du dich beim Einkaufen nicht mehr über andere Leute ärgerst, das finde ich großartig.
    Es kostet dich nur nerven.
    Weiterhin alles Gute auf dem Weg der Entschleunigung und einen angenehmen Abend.
    Ingrid

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