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es war einmal…

Könnt ihr euch noch an die Zeit erinnern, als es nur 1 Fernsehprogramm gab ? damals noch in schwarz/weiß ? Da gab es am Sonntag Vormittag – Punkt 12-  immer „der Internationale Frühschoppen mit Werner Höfer“. Untertitel : 6 Journalisten aus 5 Ländern.

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Diese Sendung war einfach ein *muss* am Sonntag. Mehr oder weniger kluge Köpfe redeten und stritten sich über aktuelle Themen der Weltpolitik. Und gebechert wurde dabei.. ihr glaubt es nicht ! Ständig kam eine junge Frau in schwarzem Kleid mit weissem Servierschürzchen irgendwo aus den Kulissen und schenkte Wein in die Gläser der Journalisten.

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Die wurde ganz schön auf Trab gehalten, denn die Gläser waren ständig leer…  es kam auch manchmal vor, das der Gastgeber am Ende der Sendung schon etwas lallte, nun ja…
Ausserdem gab es noch eine Unmöglichkeit aus heutiger Sicht : es wurde gequalmt was die Lungen hergaben ! Nicht nur Zigaretten, nein auch Pfeife ( wirkte immer so intellektuell ) und Zigarren.
Manchmal waren die Damen und Herren in den Qualmwolken kaum zu erkennen.
Ja, auch eine Frau war manchmal dabei… aber die hatte meistens nicht viel zu sagen und wurde bei Zwischenbemerkungen dann von einem süffisant grinsenden Höfer abgebügelt..

Diese Sendung wurde bei uns zuhause jeden Sonntag in ehrfürchtigem Schweigen *genossen* .
und mein Vater trank auch seinen Wein dazu und paffte mit den Diskussionsteilnehmern um die Wette..

In meiner Erinnerung ist damit auch untrennbar der Geruch aus der Küche nach Sonntagsessen verbunden, denn meine Mutter pendelte immer zwischen Küche und Wohnzimmer hin und her – ob sie dabei auch ein so genanntes Cocktailschürzchen trug  entzieht sich meiner Erinnerung..*g*  aber es könnte so gewesen sein, denn Sonntags trug man auch im Haus natürlich eines der „guten Kleider“ und auch mein Vater trug wie immer Hemd und Krawatte – nix mit bequem und Jogging Anzug oder so ähnlich. Aus diesem Grund habe ich auch immer die Sonntage gehasst, denn auch ich musste ein Sonntagskleid anziehen und dazu weisse Söckchen und Lackschuhe.
War die Sendung vorbei gabs Mittagessen und danach brach man zum sonntäglichen Spaziergang auf.
Natürlich nicht leger oder fröhlich herum tollend – nein, man ging gesittet: meine Eltern eingehakt und ich vor ihnen – damit sie mich im Auge hatten – und von Zeit zu Zeit hörte ich dann hinter mir: geh gerade – schlurf nicht so – geh ordentlich!
Besonders blöd war es dann, wenn man andere Familien traf – die waren natürlich genau so unterwegs und wir Kinder mussten dann bei der Begrüssung  je nach Geschlecht einen Knicks od. einen Diener  machen und uns anhören, wie wir doch gewachsen wären…

Falls sich nun jemand fragt, wann das Ganze stattfand, es war nicht vor dem Krieg.
Nein, es war in den 60igern und wer das Lied von Franz Josef Degenhardt „Deutscher Sonntag“ kennt weiß, es war so – genau so!

http://www.youtube.com/watch?v=SGtuPNpyMvg

euch allen einen schönen Sonntag !

anne

10 Kommentare

  1. Hihi, an die Zeit kann ich mich nicht erinnern. Das ist dann doch zu lange her. Aber in meiner Kindheit gab es bei uns auch nur ganze 4 Programme. ARD und ZDF und 2 Lokalsender und dann war Ende. Heute zählt unsere TV-Liste 79 Programme und das sind nur die abgespeicherten Favoriten *lach*

  2. Herrlich! Genauso war es bei uns auch!
    Und wenn wir mal laut waren hieß es: „Psst, Ruhe, Papa guckt Stammtisch!“
    Er trank allerdings dazu sein Frühschoppen-Bier…
    Oh je, ist das lange her! Und diese Sonntagsausflüge und Spaziergänge hab‘ ich auch gehasst…
    LG, Sabine

  3. Ich kenne den Frühschoppen zwar noch, aber eher aus dunkelster Erinnerung. Da war ich noch zu lüdde. Die Sonntagsspaziergänge kenne ich auch, nur ohne Verbeugung. Ach ja – und es gab jeden Sonntag Besuch bei Oma und Opa ;).

  4. Klabauterin

    Eijeijei… – die Erinnerung hatte ich schon fast erfolgreich verdrängt! Nun ist sie wieder da – inclusive des unangenehmen Kratzgefühls auf der Haut vom totchicen Strick-Kleid (hummerrot mit schmalen weißen Streifen), die über kurz oder lang drückenden schwarzen Lackschuhe, ewig rutschende weiße Kniestrümpfe und die „ordentliche“ Zopffrisur hielt auch nur maximal eine Stunde…

  5. Nicht ganz…aber fast, schon vertraut,denn mit (meinen) 13 kam bei uns erst die Bildwelt ins Haus und da fielen die Spaziergänge bereits aus und ich hatte…eben schon fast…eine eigene Meinung zu der politischen Welt, geprägt von Papa, der zum Glück ein sehr liberal eingestellter war.

    die, bei der sentimentel – journey Mitreisende Gabriela

  6. Tagsüber Fernsehen gab es bei uns nie – nicht einmal am Sonntag, aber ansonsten war es hier bei uns ganz genau so. Vielleicht mag ich gerade deshalb die Sonntage auch heute noch nicht.
    Gute Besserung wünsche ich dir!

  7. Oh Anne, da kommen Erinnerungen hoch. Der Frühschoppen war ein Muss am Sonntag auch bei uns. Und natürlich gabs am Sonntag die Sonntagskleider, nix mit bequem, Kniestrümpfe (trägt heute auch niemand mehr), das Pepitakleidchen mit Lackschuhen. Und natürlich zu Mittag Suppe und Kartoffeln mit Braten und Gemüse und gekochten Pudding als Dessert. Ich hoffe, dir gehts besser. Alles Liebe und schönen Sonntag. LG Doris

  8. …mein kompletter Kommentar wurde vom Netz verschluckt! So’n Schei…, also auf ein Neues: bei uns zuhause lief es exakt so ab wie bei Euch. Vati mit dicker Zigarre in seinem Sessel, Mutti in der Küche am Herd (Sauerbraten oder Schmorbraten), Elke auf dem Teppich mit Lego beschäftigt…
    Geht es Dir wieder besser? Hoffentlich! Liebe Grüsse und ein schönes Wochenende – Gruß Elke

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